Was macht Verpackungen packend?.



Für die Marke stellt die Verpackung ein wichtiges Medium dar, das von der Markenkommunikation noch zu entdecken ist. Der Fachverband Pro Carton untersuchte, wie und womit Packaging auf Verbraucher wirkt.

Jürgen Bihler, Geschäftsführer ProCarton Deutschland, 20. April 2005

Für die Marke stellt die Verpackung ein wichtiges Medium dar, das von der Markenkommunikation noch zu entdecken ist. Der Fachverband Pro Carton untersuchte, wie und womit Packaging auf Verbraucher wirkt.
Von Jürgen Bihler
Je nach Umfeld und Produkt treffen zwischen zwei Drittel und drei Viertel der Verbraucher ihre Kaufentscheidungen am Point of Presentation und damit anhand von Verpackungen. Wie kaum ein anderes Medium können sie für sinnlichen Verbraucherkontakt und positive Gefühle, für Effekte und Affekte sorgen.
Aber wie und womit wirken Verpackungen? Worauf achten die Käufer? Was kommt an und was nicht? Was sind Kriterien für verkaufsstarke Verpackungen? Das untersucht ein aktueller Verpackungsmonitor des renommierten Münchener Marketingforschungsinstituts facit mit einer Serie von Studien, die im Auftrag von Pro Carton und der Sparte Pigmente von Merck KGaA durchgeführt werden. Hunderte von Testpersonen wurden und werden in ausführlichen Einzelinterviews anhand ausgesuchter Verpackungen aus dem Handel befragt, um „leading packages“, Präferenzen und Motivationen zu erforschen. Hier die Zusammenfassung der ersten drei Untersuchungen der Monitoring-Serie zu den Themen Food, Parfümerie und OTC (over the counter). Sie können als eine Art Gebrauchsanleitung für erfolgreiche Verpackungsgestaltung betrachtet werden.

Vernunft und Gefühl: Wirkkriterien von Food-Verpackungen



Im Hinblick auf Food-Verpackungen konstatierten die Forscher einige hochinteressante grundsätzliche Verbrauchereinstellungen:
So weit die „Vernunftgründe“, die Verbraucher bei der Beurteilung von Verpackungen anführen. Dennoch ist die Ratio durchaus nicht das Hauptmotiv bei Food-Konsumentscheidungen! Vielmehr kommen noch emotionale Aspekte hinzu. Verpackungen müssen über ihre Aufgaben als Produktschutz und Informationsträger hinaus gehen. Sie sollen kommunizieren, appellieren, stimulieren, faszinieren. Verbraucher lehnen solche Packaging-Botschaften an die Sinne, die Gefühlswelt und das Unterbewusstsein nicht etwa ab – sie setzen sich dem vielmehr gern und aufgeschlossen aus:
Wer im Food-Sektor mit dem Packaging sowohl Kopf wie Bauch anspricht und dabei die Kommunikation der Verpackung mit den Konsumenten aus Produkt und Markenprofil ableitet, sichert seinem Angebot optimale Marktchancen.

Farben, Formen, Flair... Wirkkriterien von Parfüm-Verpackungen



Die Ergebnisse der Untersuchung von Parfüm-Verpackungen überraschen durch eine massive Akzentverschiebung – weg vom Rationalen, hin zur Dominanz der Emotionen. Und: Parfüm-Kaufentscheidungen werden durchaus nicht in erster Linie „mit der Nase“ gefällt! Man kauft nicht nur einen als angenehm empfundenen Duft, sondern eine ästhetische und Markenwelt:
Aus den detaillierten Umfrageergebnissen wie aus dem Gesamtranking der am besten beurteilten Verpackungen ergaben sich im Parfüm-Verpackungsmonitor praktische Impulse und Guidelines für Konzeption und Design:
Die Parfümerie nimmt im Packaging eine Sonderstellung ein. Nicht nur um Marken- und Produktbotschaften, sondern um Lebens- und Selbstwertgefühl, um komplexe emotionale Erlebnisdimensionen wie Erotik, Sinnlichkeit, Frische, Romantik, Kühle, mondäne Eleganz, junge Unbekümmertheit – kurzum: das gesamte Spektrum positiver Empfindungen und Befindlichkeiten.

Verpacken als vertrauensbildende Maßnahme: Wirkkriterien bei OTC-Medikamenten



Wie sieht es aus, wenn es nicht um Wohlgerüche, sondern ums Wohlbefinden und um die Gesundheit geht? Neue Antworten ermittelten die facit-Experten in der dritten Monitor-Welle zum Thema Medikamente im OTC-Verkauf „over the counter“. Sie testeten Aufmerksamkeitswert, emotionale Akzeptanz, Informationswert, Vertrauenswürdigkeit, Marken- und Produktprägnanz, vermutete Produktqualität aufgrund der Packung, vermutete Wirkung des Präparates aufgrund der Packung und Kaufbereitschaft sowie einige weiterführende Daten anhand von 20 Packungen aus fünf verbreiteten Indikationsbereichen vom Schmerz- bis zum Erkältungspräparat.
Wie generell im Verpackungsmonitor festgestellt, sind die Anforderungen der Verbraucher auch in diesem Segment an sich schon umfassend:
Im Detail stellten die Marktforscher fest, dass die Ansprüche an erfolgreiches, wirksames OTC-Packaging sogar besonders vielfältig und komplex sind:

Hinweis
Die Details der ProCartion/facit-Studie (zum Beispiel auch zum Ranking der einzelnen Verpackungen) sind kostenlos auf CD-Rom beim Pro Carton Informationsbüro erhältlich. Einfach per E-Mail bestellen unter:

Zu den Abbildungen
Zum Food-Thema:
1. Motiv: Chart mit allen untersuchten Verpackungen.
Text: Food-Verpackungen, die den Befragten vorgelegt wurden: Information, Funktion und Emotion müssen sich zu Genuss verbinden.
2. Motiv: Pilzförmige Verpackung
Text: Am besten schnitt bei der Studie eine pilzförmige Verpackung der Firma Berge Delikatessen ab. Für 59 Prozent der Befragten war sie die Verpackung mit dem höchsten Aufmerksamkeitswert.
Zum Parfümerie-Thema:
1. Motiv: alle untersuchten Verpackungen
Text: Parfüm-Verpackungen, die den Befragten vorgelegt wurden.
2. Motiv: Flower by Kenzo
Text: Düfte möchte man auch fühlen können: Parfümerieprodukte sind kleine Erlebniswelten, in die das Packaging einlädt.
Zum OTC-Thema:
1. Motiv: alle untersuchten Verpackungen
Text: Für OTC-Verpackungen ist es wichtig, dass sie absolutes Vertrauen stiften, gute und schnelle Wirksamkeit des Präparates kommunizieren und somit hohe Produktqualität vermitteln.
2. Motiv: Spalt Liqua
Text: Schillernde Farbkraft macht aufmerksam, signalisiert Wert und Wirkung. Markenprägnanz und ein ruhiger Duktus schaffen positive Stimuli.

Zum Autor
Bild: Jürgen Bihler
Jürgen Bihler, Leiter Informationsbüro Pro Carton, Mitglied des Pro Carton Komitees. Pro Carton ist die 1988 gegründete europäische Vereinigung von Karton-Produzenten und Herstellern von Verkaufsverpackungen aus Karton. Die Interessengemeinschaft verfügt über mehr als 500 Mitglieder in 14 Ländern Europas. Hauptsitz der Organisation ist Brüssel. In zehn weiteren Ländern betreibt Pro Carton Informationsbüros.