3. Symposium - Aspekte moderner Markenführung.
Markenführung verlangt umfassende Management-Kompetenz
Andreas Horx, Andreas Weber, Text: Christine Bayer, 25. November 2004
Das Forum Wertvolle Kommunikation widmete sein 3. Fach-Symposium dem Thema "Aspekte moderner Markenführung". Rund 20 hochkarätige Experten – davon viele aus namhaften Markenunternehmen – beteiligten sich. Gastgeber war die Otto Gruppe im Hamburger Otto Forum. Die wichtigsten Ergebnisse lauten: Moderne Markenführung steht nicht mehr vor erkenntnistheoretischen Herausforderungen. Die Grundlagen sind hinlänglich bekannt und wissenschaftlich dokumentiert. Trotzdem klaffen Theorie und Wirklichkeit auseinander. Bei der operativen Umsetzung, sprich im Management von Marken (und vor allem des Markenwertes!), gibt es erhebliche Defizite – im Effekt vergleichbar einer Desorientierung, die dazu führt, Markenführung eher taktischen als strategischen Zielen folgen zu lassen. Die Lösungsansätze lauten: Markenführung braucht einen systemischen Ansatz, profitiert von integriertem Marketing und digitaler Kompetenz, um der Forderung nach Effizienz und Effektivität gerecht zu werden.
Duplizität der Ereignisse: Fast zeitgleich mit dem Hamburger Symposium des Forum Wertvolle Kommunikation publizierte Franz Rudolf Esch, Direktor des Instituts für Marken- und Kommunikationsforschung, Universität Gießen, seine aktuellen Erkenntnisse [F.A.Z., 29. November 2004, Seite 22]. Eine seiner Kernthesen lautet: "Das Management komplexer Markensysteme und -architekturen wird immer wichtiger." In seinem Beitrag "Die Positionierung der Marken" legt Esch dar, benötigt werde ein integrierter Ansatz, um Markenführung dauerhaft erfolgreich zu gestalten: "Die strategischen Überlegungen aus Unternehmenssicht sind zwingend mit den Wahrnehmungen der Kundengruppen abzugleichen." Das erfordert eine neue Art der pro-aktiven Dialogführung von Marke und Konsument. Jede Art von Verwirrspiel, etwa durch auf Effekthascherei abzielende Reklame, muss vermieden werden. "Wertvolle Kommunikation nimmt demgemäß einen hohen Stellenwert bei der Markenführung ein, muss aber durch strategische Managementleistungen unterstützt werden", kommentieren die beiden Mentoren Andreas Horx und Andreas Weber vom Forum Wertvolle Kommunikation.
Bewusstsein für Herausforderungen und Fehlentwicklungen
Die weiterführende Fragestellung, wie sie auch Gegenstand des Symposiums in Hamburg war, lautet: Wie wird eine Marke nicht nur positioniert, sondern nachhaltig erfolgreich gemanagt? In einem ersten Schritt müssen sich die Verantwortlichen der Herausforderungen und Missstände auf dem Markt und innerhalb von Unternehmen bewusst werden. Andreas Horx konkretisierte in seinem einführenden Vortrag die Kern-Problematik: "Die Masse an Markenbotschaften erschwert die Differenzierung." Gleichzeitig nehme neben der Verbraucheraufmerksamkeit auch die Präzision von Kommunikation ab. Zarife Kameraj von der Deutschen Bahn, Interne Kommunikation, ergänzte, dass zunehmend Übernahmen und Geschäftserweiterungen das Markenbild beeinflussen bzw. sich auf interne und externe Kommunikationsaufgaben auswirken.
"Im Idealfall ist bei Unternehmen eine einzige Person für die Markenführung verantwortlich, um Abweichungen von Marken-Botschaft und Marken-Rezeption zu überwachen", stellte Horx fest. Die notwendige Ehrlichkeit und Offenheit seien aber noch die Ausnahme. Es komme immer mehr zu Abweichungen zwischen Wunsch und Wirklichkeit: "In den Marketing- und Kommunikationsabteilungen wird bisweilen immer noch gelogen, dass sich die Balken biegen", kritisiert Horx. Gleichzeitig frage der Verbraucher immer stärker nach, welchen realen Nutzwert ein Marken-Produkt für ihn persönlich besitze. Und: Bei lediglich rund 35% der Marken-Kampagnen würden die Prinzipen der integrierten Kommunikation genutzt – obwohl dabei rund 15% bis 25% an Synergien und somit reale Einsparungspotentiale erwirtschaftet werden könnten.
"Dem Marken-Management fehlt hierzulande Innovationsbereitschaft. Kunden in den Mittelpunkt zu stellen, erfordert umfangreiche Kenntnisse über Vorlieben, Verhaltensweisen und Kaufverhalten", ergänzt Patrick Rohrbasser von 5one, London/München. Kundenbindung sei nicht nur über Kommunikationsmaßnahmen zu bewerkstelligen, sondern bedürfe der intelligenten Analyse und Segmentierung. Horx weiter: In Kombination damit sei es hilfreich, die Vielfalt von Kommunikationskanälen auszuschöpfen, um Kunden gezielt anzusprechen. In Deutschland sehe die Realität aber weitgehend anders aus. Es dominiere in der Kundenkommunikation – entgegen Trends wie etwa in den USA oder England – noch immer die Klassik, die sich an Reichweite und Markenbekanntheit orientiert. Vorschläge für eine erfolgreiche moderne Markenführung stellen für ihn andere Aspekte in den Fokus: Authentizität und Kreativität, Relevanz statt Austauschbarkeit, mehr Rücksichtnahme auf den Verbraucher sowie eine zentrale Markenführung aus einem Guss. Horx forderte einen gemeinsamen Maßstab zur Messung von Marken sowie der Kommunikation, um eine einheitliche Bewertung zu ermöglichen. Dabei unterstrich der Referent: "Die sorgfältige, systematische und detaillierte Erfassung des Markenstatus sowie der Stärken und Schwächen einer Marke bedeuten weit mehr, als das Messen von Markenbekanntheit und Werbeerinnerung."
Markenführung - ein dynamischer Prozess
Markenführung muss auf aktuelle Entwicklungen schnell und präzise reagieren können und stellt somit einen dynamischen Prozess dar. Das kristallisierte sich aus dem Erfahrungsbericht von Philipp Schindler, Marketing- und Vertriebschef bei AOL Deutschland, heraus. Um sich dem Thema "Moderne Markenführung – heute und morgen" anzunähern, bedarf es laut Schindler zunächst der Reflexion: Wie müssen sich phasenweise Marken und Kommunikationsstrategien verändern, um sich den aktuellen Markt-/Konsumentenbedürfnissen anzupassen? Bei AOL habe sich der Markterfolg sichern lassen, indem drei Schritte vollzogen wurden. Zunächst, als das Internet noch so widersprüchliche Emotionen wie Faszination und Angst hervorrief, habe sich AOL über kommunikative Maßnahmen mit dem Slogan "Ich bin drin" profiliert. Darauf folgte eine Phase der Etablierung. Hier fokussierte die Kommunikation entsprechend das "Drin sein", "menschelte" verstärkt. Mittlerweile, so Schindler, werde das Internet immer mehr zu einem alltäglichen Medium. Die Kommunikation müsse neben der Bindung von Mitgliedern auf so genannte "Switcher" sowie "Rejecter" zielen – und auf aktuelle Marktveränderungen antworten. Die derzeitige Comedian-Kampagne von AOL setzt bewusst auf Unterhaltungsmerkmale – mit ernsthaftem Hintergrund.
Schindler benannte vier Trends aus der Welt des Kunden, die seine Markenführungskonzeption motivieren:
- Individualisierung: Sie habe zur Folge, dass sich immer mehr Marktsegmente bilden und Einzelinteressen wichtig werden. Aufgrund dessen differenzierte AOL seine Angebote und intensivierte die persönliche Kundenansprache.
- Entwicklung zum verwöhnten und informierten Kunden: Dieser werde autonomer, ungeduldiger, sei multi-hybrid und folglich nicht mehr so leicht zu binden. Nur wem es gelinge, eine hohe Glaubwürdigkeit zu erreichen, könne den Verbraucher überzeugen.
- Simplifizierung. Der Wunsch nach Vereinfachung steige, denn das Leben werde zusehends komplexer und unsicherer. Schindler: "Als Reaktion darauf muss man intelligent vereinfachen." AOL beispielsweise habe deshalb seine Tarifberatung simplifiziert.
- Selektive Mediennutzung: Sie stellt für Schindler eine Reaktion auf die steigende Informationsflut dar und verlange, den Konsumenten über neue Wege wie beispielsweise Eventmarketing, Sponsoring oder innovative Kommunikations-Kanäle zu erreichen. "Perfekt integrierte Kommunikation wird zur Pflicht", mahnte Schindler, "sonst fällt man unter die Wahrnehmungsgrenze des Kunden". Es gäbe dabei nur die Alternative, entweder 0% oder 100% der Aufmerksamkeit zu erreichen.
Markenführung braucht veränderte Unternehmenskultur
Matthias Simon, Gründer und seit August 2003 Vorsitzender des Vorstandes beim Institut für Markenwert e.V. (IFM), Frankfurt am Main, reflektierte unmittelbar die Thesen Schindlers. Statt seinen Vortrag zum Thema "Wertorientiertes Markenmanagement" wie geplant zu halten, suchte Simon spontan zusammen mit den anderen Zuhörern den kritischen Dialog: "Wir brauchen im positiven Sinne eine neue Streitkultur", provozierte der Vorsitzende. Denn, so befand er, "über das Thema Markenführung wird nach wie vor falsch kommuniziert." Simons Statement lautet: "Markenführung ist eine kaufmännische Disziplin. Die Marke ist ein Investitionsobjekt. Es gilt daher, Kriterien zur objektiven Bewertung von Marken zu finden." In vielen Unternehmen müsse endlich ein Bewusstsein dafür generiert werden, dass das die monetäre Markenbewertung in diesem Zusammenhang eine entscheidende Größe sei. De facto läge nämlich der Fokus weniger auf dem Marketing als auf dem Vertrieb. Gefragt aber sei ein Dialog der einzelnen Abteilungen.
"Markenführung ist abhängig von Kultur", postulierte der IFM-Mann weiter. "Bestimmte Kulturen verdienen über professionelles Marketing Geld, andere nicht. Warum?" Ein konkreter Nutzen, ein klares Leistungsversprechen müsse klar kommuniziert werden. Entscheidend sei, den Konsumenten zu verstehen und anschließend zu transportieren, dass man ihm gebe, was er wolle und wie er es wolle. Stefanie von Carlsburg, Leiterin Externe Kommunikation bei Tchibo, ergänzte: "Statt dem Kunden nur zu geben was er will, ist es noch besser, ihm sogar mehr zu bieten als das Verlangte." Dann komme es zu Impulskäufen und einer dauerhaften Kundenbindung.
Simon fuhr fort: Nur ein Marketing-getriebenes Unternehmen sei in der Lage, beim Kunden anzufangen. Eines, bei dem die Marketingleiter nicht bewusst eingegrenzt würden. Bei dem von Oben Produktentwicklung und Markenführung aufeinander abgestimmt werden. Dazu bemerkte Arndt Groth, Geschäftsführer von Interactive Media CCSP GmbH: "Das Problem ist die kurzfristige Denke, die den schnellen Verkauf und den Return on Investment im Blick hat." Und Andreas Kramer, Gründer und Inhaber der Agentur Coconut, fand: "Markenführung, wenn man sie ganzheitlich sieht, kann eigentlich nur ein CEO machen."
Simons Appell, "Markenführung ist nicht nur Kommunikation, sondern darüber hinaus ein ganzheitliches System", wurde von Rainer Heckmann, Senior Produkt Manager von QSE SÁRL (Quark Hamburg), aufgegriffen. Er betonte, dabei sei Glaubwürdigkeit oberster Grundsatz. Auf dieser Basis, so Simon weiterführend, könne eine Marke Vertrauen gewinnen und zu einem stabilen Bild in den Köpfen der Verbraucher führen. "Im Kern gibt es gemanagte und nicht gemanagte Markenwerte."
Einheitlicher Bewertungsmaßstab für Markenwert
Thomas Voigt, Direktor Wirtschaftspolitik und Kommunikation der Otto Gruppe, Hamburg, merkte an, dass es kein Leichtes sei, integriertes Marketing und Kommunikation in die Unternehmensführung einzubinden. Knackpunkt wäre daher die Messbarkeit des Markenwertes. Erst durch die Einführung eines allseits akzeptierten, objektiven Maßstabes könne die Verbindung zwischen Controllern und Marketing-Leuten hergestellt werden. "Es gibt zwar Modelle, aber noch fehlt es an einem Agreement." Daher werde die Balanced Scorecard in der Unternehmenskommunikation immer wichtiger, prognostizierte Voigt.
In eine ähnliche Richtung wiesen die weiteren Ausführungen Simons: Statt auf einem Elfenbeinturm-Niveau über Markenführung zu diskutieren, müssten endlich funktionierende Lösungen gefunden werden. Sein Institut arbeite deshalb mit konkreten Markenbewertungsmodellen. "Viele fühlen sich wohl im Biotop der Unverbindlichkeit", mahnte er. Das müsse endlich aufhören. Befragungen hätten ergeben, dass für Unternehmen der Markenwert ihr größtes Asset darstelle. Viele glauben, in den nächsten 3 bis 5 Jahren bekomme die monetäre Bewertung von Marken höchste Bedeutung. Gleichzeitig gäbe es rund 100 verschiedene Bewertungsmodelle. Wie sehr es an einer Norm mangele, zeige auch eine Studie des Fachmagazins "Absatzwirtschaft". Demnach haben sich bei der Markenbewertung eines fiktiven Unternehmens trotz gleicher Datenbasis und gleichen Bewertungsanlasses Unterschiede von über 550% ergeben. Simon: "Man muss sich im Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis auf ein Modell einigen." Es gilt, eine feste Maßeinheit zu definieren, quasi als "Marken-Meter", so die Mentoren Andreas Horx und Andreas Weber.
Auch die Diskutanten des Symposiums waren sich einig: Die monetäre Messung des Markenwertes wird an Bedeutung für die Markenführung zunehmen. Gleichzeitig wurde auf die Gefahr hingewiesen, nur kurzfristige Erfolge zu messen. "So etwas wie eine vierteljährliche Evaluation wäre fatal", befand abschließend Hansjörg Fuhrken, Geschäftsführer von Bürofeuerfest, Hamburg.
Moderne Markenführung profitiert von digitaler Kompetenz
Markenführung muss moderne Einflussfaktoren berücksichtigen. Es gilt, den Anforderungen des Digital-Zeitalters, wie sie in den Überlegungen "Being Digital" des Visionärs Nicholas Negroponte vor einer Dekade formuliert wurden, gerecht zu werden. Durch den Erfolg des Internets als Kommunikationsplattform und die Digitalisierung der Kommunikation werde das Postulat nach "digitaler Markenführung" laut. Technologie als Heilsbringer? "Markenführung kann man nicht digitalisieren", stellte Mentor Andreas Weber in seiner Rolle als "Digital Lifestyle Evangelist" fest. "Sehrwohl profitiert Markenführung, die kundenorientiert gestaltet werden soll, von digitaler Kompetenz", stellte er seinen Überlegungen voran.
Erst digitale Kompetenz ermögliche die Integration sämtlicher Geschäfts- und Kommunikations-Prozesse zur Wertsteigerung von Marke und Unternehmung. Sie befähige die Markenführung vor allem zu folgenden Optionen:
- integrierte Kommunikationsmaßnahmen zu planen, umzusetzen, zu steuern und auszuwerten (Return on Communications)
- Beziehungen gezielt, individualisiert, in Echtzeit, Dialog-orientiert und hocheffizient aufzubauen und nachhaltig zu pflegen
- Kommunikationsprozesse komplett zu automatisieren.
Ein Traditions-Unternehmen wie Kodak, so Weber weiter, schaffte innerhalb weniger Monate erfolgreich eine Trendwende. Das Top-Management um President&COO Antonio Perez habe die "Digital Transformation" des gesamten Konzerns zur Chefsache erklärt. Dabei werde die Marke als "Container der unternehmerischen Idee" herangeführt an Wertvorstellungen, die Kodak-Gründer George Eastman vor nahezu 100 Jahre zugrunde legte: Kompetenz durch Info-Imaging. Für Weber bezeichnend: Die Rückbesinnung ist möglich durch eine Anpassung der Produkte, Services und Lösungen an die Digitalisierung. Treibende Kraft bei Kodak sei derzeit nicht das Marketing, sondern der Chefentwickler des Konzerns. Er konzipierte eine Vier-Säulen-Strategie, die im Konzern zu weitreichenden Veränderungen und der Gründung neuer Geschäftsbereiche geführt hat.
Stellvertretend für Erfolgs-Unternehmen, die Vorreiter bei der Digitalisierung der Kommunikation waren und sich in jüngster Zeit neu erfinden konnten, zog der Referent Apple Computer heran. Apple prägte den Digital Lifestyle durch seine iLife-Produktlinien, insbesondere iPOD und die Online-Musik-Plattform iTunes. Auffallend sei: Nicht mehr die Marke Apple steht im Fokus der Kommunikation. iPod hat sich als Marke verselbständigt. Durch Produkte, Services und Applikationen wird ein digital-interaktives Lebensgefühl (powered by Apple) vermittelt, das der Firmenchef Steve Jobs als Leitfigur verkörpert. Weber betonte: Apple wie auch Kodak vollzogen durch ihre wachsende digitale Kompetenz kurz- und mittelfristig Gewinnsteigerungen und solide Zuwächse beim Börsenwert.
Abschließendes Beispiel des Redners: Die englische Tochter des Reise-Konzerns TUI. Sie profitierte stark von der Digitalisierung. In Großbritannien als Nummer 4 im Markt gesetzt, eroberte sich der Reiseveranstalter den Spitzenplatz bei seinen Kunden. Eine einheitliche, durchgehend digital gestaltete Plattform erlaubt Reiseauswahl, Buchung (auch von Zusatzleistungen) und Zustellung der individualisierten Reiseunterlagen in einem integrierten System. Benefit – unter anderem: maximale Kundenzufriedenheit, skalierbare Wertschöpfungsmöglichkeiten durch einen echten Mehrwert. Gelungen sei dies, betonte Weber, durch die völlige Neukonzeption der Geschäftsprozesse und die Automatisierung sämtlicher Kommunikationsprozesse.
Der Mentor des Forums Wertvolle Kommunikation stellte seinen Exkurs in die Welt der Digitalisierung in einen kultur-historischen Kontext: "Die von dem Philosophen Karl Jaspers geprägte Bezeichnung der Kommunikation als 'wesenhafte zwischenmenschliche Begegnung' wird durch die Digitalisierung der Kommunikationsprozesse um interaktiv-mediale, dynamische Begegnungsformen erweitert."
Ein starkes Duo: Kompetenz und Kreativität
Die Expertenrunde des 3. Fach-Symposiums Wertvolle Kommunikation resümierte: Bei allem sei die ungebrochene Kreativität und persönliche Kompetenz – und damit der Faktor Mensch – entscheidend. Nachdem das Management eines Unternehmens den kulturellen Wandel angetrieben habe, könnten innovative Services in Kombination mit Applikationen den Erfolg einer Marke über digitale Techniken bewirken. Chancen bieten, so das Fazit, nicht nur integrierte Kommunikationsprozesse, sondern gezieltes, individualisiertes und dialogorientiertes Beziehungsmanagement sowie schließlich die Automatisierung von Kommunikationsprozessen.
"Man muss Digitalisierung als eine Chance zur Markenführung begreifen", bestätigte auch Andreas Bodmann, zuständig als Agency Account Development Manager im Geschäftsbereich Digital Publishing Solutions bei Hewlett-Packard, in der abschließenden Diskussion. "Allerdings wird es problematisch, wenn zwar digitale Kompetenzen, aber kein grundlegendes Verständnis für Markenführung vorhanden ist", merkte Daniel Sennheiser an, Design-Manager bei Procter&Gamble International. Nur wer die Grundlagen beherrsche, ergänzte Andreas Kramer von Coconut, könne digitale Medien als Multiplikator einsetzen.
Die Teilnehmer des Symposiums thematisierten auch Gefahrenpotenziale. "Die hohe Geschwindigkeit, die die Digitalisierung nach sich zieht, kann auch ein Erosionsfaktor zu Lasten der Qualität in der Markenführung sein", sagte etwa Thorsten Stradt, Direktor Marke und Werbung bei Otto. Auch sein Kollege Thomas Voigt warnte vor einer Verwässerung der Präzision. Hansjörg Fuhrken schloss: "Beliebigkeit ist ein Nebenprodukt des digitalen Lebens." Das könne der Marke schaden.
In Webers Augen kann die sinnvolle Automatisierung der Kommunikationsprozesse gegen solch einen Trend steuern helfen. Diese beschleunige nicht nur Prozesse, reduziere Kosten und helfe dabei, Fehler zu vermeiden. Sie biete außerdem Selektionsmechanismen, die als Filter der Beliebigkeit entgegen wirken. Sebastian Wenig, Leitung Markenführung und Kundenkommunikation bei Home Shopping Europe gab zu bedenken: Damit die Marke von solchen Möglichkeiten profitieren könne, müsse allerdings eine viel stärkere Nähe zwischen Marketing und IT vorhanden sein als bisher der Fall.
Am Ende der Veranstaltung stand fest: in punkto Markenführung muss die Lücke zwischen Theorie und Praxis rasch geschlossen werden. Um den Wandel vom taktischen zum strategischen Denken einzuläuten, sind konkrete, integrierte, spezifisch ausgerichtete Lösungsmodelle und eine zeitgemäße Professionalisierung im Markenmanagement von Nöten.
Zentrale Herausforderungen moderner Markenführung
- Theoretische Erkenntnisse zur kompetenten Markenführung stehen einer nach wie vor defizitären Umsetzung dieses Wissens in der Praxis gegenüber.
- Eine Marke muss von der Unternehmensspitze aus langfristig im Rahmen eines ganzheitlichen, weit über reine Kommunikationsmaßnahmen hinausgehenden Systems gemanagt werden.
- Markenführung ist ein kulturabhängiger und dynamischer Prozess.
- Markenführung profitiert von digitalen Kompetenzen und integrierten Kommunikationsmaßnahmen.
- Markenwerte müssen durch ein einheitliches, im Konsens entwickeltes Modell messbar werden.
Download
Vortrag Andreas Horx [PDF 160 KB]
Vortrag Matthias Simon [PDF 241 KB]
Vortrag Andreas Weber [PDF 1.750 KB]
Weiterführende Informationen, Literaturhinweise
Neben der Know-how-Box auf dem Internet-Portal des Forum Wertvolle-Kommunikation.net empfehlen wir nachfolgend aufgelistete Informationsquellen.
Zum Thema Markenführung:
Tropp, Jörg: Markenmanagement. Der Brand Management Navigator - Markenführung im Kommunikationszeitalter. Frankfurt: 2004, VS Verlag für Sozialwissenschaften. 310 Seiten, Preis Euro 29,90, ISBN: 3-531-14237-2
Weber, Andreas: "Markenführung auf neuen Wegen". Mainz, 2003. Whitepaper-Dossier mit Fallstudien und Interviews. Online bestellbar unter: marketing.zeitenwende.com
Zum Thema Marketing und Digitale Kompetenz:
Weber, Andreas | Rösger, Jürgen: Interactive Marketing – Unternehmen im Dialog mit ihren Kunden. Frankfurt: 2002, F.A.Z.-Institut. 240 Seiten. Online bestellbar zum Vorzugs-Preis von Euro 19,90 inkl. Versandkosten bei
http://www.digitaldruck-forum.org (Interaktives Marketing mit Printmedien), insbesondere Rubrik Know-how-box
http://www.value-magazine.de Magazin für Medienproduktion und Unternehmenskommunikation
Zum Thema Automatisierung der Kommunikationsprozesse:
Schlupp, Richard: Automated Communication Factory, Mainz, 2003/2004, Whitepaper-Editionen, erhältlich als PDF per e-mail an Infos unter: http://www.digitaldruck-forum.org/content/acf.html